Idee
Ausgehend von der Tatsache, dass sich in Neumarkt das Kellerverlies, in dem A. Hofer seine letzte Nacht auf Südtiroler Boden verbracht hat, und - angeregt durch die Idee von Brigitte Matthias - hat der Südtiroler Künstlerbund in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Unterland in Neumarkt und dem Grafikmuseum Bruneck für das Gedenkjahr 2009 ein Ausstellungskonzept zum Thema Todesangst ausgearbeitet.
Die Inhaftierung von Andreas Hofer im Kellerverlies in Neumarkt und seine Hinrichtung in Mantua sind historisch belegt und tragen heute nicht minder dazu bei, A. Hofer als tapferen Volkshelden zu verehren. Dabei wird der Held zur heroischen Persönlichkeit, bei der menschliche Gefühlsregungen meistens außer Acht gelassen werden. Historische Tatsachenbeschreibungen lassen im Nachhinein kaum Raum für spekulative Gefühlsanalysen eines über Jahrhunderte gefeierten Mythos. Aus heutiger Sicht fällt es schwer, den Menschen A. Hofer hinter der idealisierten Figur des Freiheitskämpfers mit dessen natürlichen Angstzuständen zu sehen.
Ausstellungskonzept
Der Anthropologe Ernest Becker behauptet in seinem Buch „The Denial of Death“ – mit dem er 1974 den Pulitzer-Preis gewann, Menschen hätten ebenso wie Tiere einen unbedingten Überlebenswillen. Doch die Fähigkeit zu symbolischem Denken verleiht Homo sapiens eine Vorstellung der Zukunft. Deshalb leben Menschen mit der Gewissheit, dass sie sterben werden, irgendwann. Dieses einzigartige Wissen erzeugt eine unterschwellige Angst, die jederzeit akut werden kann: Neben ganz alltäglichen Dingen - wie etwa ein Gang zum Friedhof, Bilder von einem Unfall, der Anblick eines alternden Menschen – die ausreichen können, um die Angst vorm Sterben an die Oberfläche zu spülen, sind es vor allem jene Gefahren, die Todesängste evozieren, denen der Mensch seit Jahrhunderten ausgesetzt ist: Gefangennahmen, Todeszellen, Erschießungen/Hinrichtungen, lebensgefährliche Erkrankungen und bedrohliche Naturkatastrophen stehen nach wie vor an der Tagesordnung und sind Auslöser für Angstzustände, Panikattacken, Ausweglosigkeit und Lebensmüdigkeit.
Die Ausstellungsreihe soll in Bezug auf das geschichtliche Ereignis zu A. Hofer in Neumarkt das Thema aus historischen und aktuellen Gesichtspunkten heraus beleuchten. Dabei sollen historische Werke der Bestände des Landes bis hin zu zeitgenössischen Positionen gezeigt werden.
In der Ausstellung geht es nicht darum, Sensationsberichte überlieferter und zeitgemäßer Todesangstszenarien zu zeigen. Vielmehr soll der Versuch unternommen werden, durch historische und aktuelle künstlerische Reflexionen zum Thema einerseits individuelle Empfindungen darzustellen und andererseits kollektive Ängste diverser Generationen aufzuzeigen.
Termine
Gestaffelte Ausstellungseröffnungen an den unterschiedlichen Standorten.
Ausstellungsbeginn: Galerie Unterland, Neumarkt, 30. Jänner 2009, die anderen Ausstellungsorte werden gestaffelt eröffnet
Der Ausstellungszeitraum wird sich vom 30.- Jänner – 30. April ausdehnen. Die genauen Termine der Eröffnungen und der Ausstellungsdauer werden noch bekannt gegeben.
Ausstellungsorte
Galerie Prisma, Bozen
Galerie Unterland, Neumarkt
Rathausgalerie, Brixen
Grafikmuseum, Bruneck
(je nach Anzahl der eingereichten Werke)
Bewerbung
Jede/r KünstlerIn aus der Region Trentino-Südtirol und aus Nordtirol kann einen Projektvorschlag einreichen. Die Projekte müssen auf alle vier Ausstellungsräume adaptierbar sein.
Es können auch zusätzlich Vorschläge für das Rahmenprogramm (Performances, Vorträge, Lesungen, usw.) eingereicht werden.
Auswahl und Kuratierung
Die Ausstellungsobjekte werden von einem externen Kuratorenteam und einer Jury, die sich aus Vertretern des Vorstandes und der Leitung der beteiligten Institutionen (Südtiroler Künstlerbund, Kunstforum Unterland und Grafikmuseum Bruneck) zusammensetzen, ausgewählt.
Direkteinladungen und Aufträge können das Programm ergänzen.
Die Ausstellung wird von dem berufenen Team kuratiert.
Budget
Der Südtiroler Künstlerbund stellt für Produktion und/oder Transportkosten jedes einzeln ausgewählten Projektes 300 Euro brutto zur Verfügung. Bei Überschreitung dieses Budgetrahmens muss sich der/die ProjekteinreicherIn eigenständig um die restliche Finanzierung kümmern.
Bewerbungsmodalitäten
Der Projektvorschlag kann auf Deutsch oder Italienisch eingebracht werden.
1. Name, Kontaktadressen (Telefon und Mail)
2. Kurzbeschreibung des Projekts (max. 800 Zeichen)
3. Eine ausführliche Beschreibung des Projektes
4. Unterstützende Visualisierungen: Skizzen oder Fotos als Print oder PDF Datei
5. Werkangaben: Maße, Material, Entstehungsjahr, Courtesy;
Sonstiges
Der Südtiroler Künstlerbund übernimmt keine Haftung für eingesendete Unterlagen. Aus einer Ablehnung erwachsen den ProjekteinreicherInnen keinerlei Ansprüche gegenüber dem Südtiroler Künstlerbund und den anderen beteiligten Institutionen oder im Auftrag des SKB und der anderen Institutionen handelnden Personen
Einreichmodus
Der Projektvorschlag kann persönlich bzw. per Post in dreifacher Kopie (DIN- A4) oder per Mail (Word oder PDF Datei bis 2MB) erfolgen.
Abgabeadresse
Südtiroler Künstlerbund
Weggensteinstrasse 12
39100 Bozen
info@kuenstlerbund.org
tel. 0039 0471 977037
Einreichtermin
17. Oktober 2008 (Poststempel)
Info
Südtiroler Künstlerbund, Weggensteinstrasse 12, 39100 Bozen
www.kuenstlerbund.org, info@kuenstlerbund.org
Tel. 0039 0471 977037, Fax 0039 0471 977016
Ansprechpersonen Kathrin Ortler und Lisa Trockner
Der Südtiroler Künstlerbund lädt hiermit herzlich alle KünstlerInnen, die den Ausschreibungskriterien entsprechen, zur Einreichung ihrer Bewerbungsunterlagen ein. Wir freuen uns, wenn Sie diese Informationen auch an KünstlerkollegInnen, Verbände und andere Personen weiterleiten.