1915 - 2015

Paul Feichter, Silvia Hell, Annemarie Laner, Walter Pancheri, Leander Schwazer, Martina Stuflesser, Letizia Werth, Andreas Zingerle

Eröffnung: 9.10.2015, 19 Uhr
10.10. - 31.10.2015


Eine Ausstellung zeitgenössischer Künstlerpositionen, die sich mit den Folgen des Krieges und Schicksalen von Tätern und Opfern auseinandersetzt.

Die Siegerprojekte des Wettbewerbs 1915 – 2015, eine Zusammenarbeit des Südtiroler Künstlerbundes mit der Abteilung Ladinische Kultur und ladinisches Schulamt, werden in einer Ausstellung in der Galerie Prisma präsentiert.

Die Auseinandersetzung mit Krieg und dessen Wirkung und Folgen sind das zentrale Thema der Ausstellung. In Form von Malerei, Objektkunst und Videoarbeiten werden die Wunden des Kriegs sichtbar gemacht. Acht Künstlerinnen und Künstler haben sich intensiv mit historischen Ereignissen und aktuellen Anlässen befasst: Ob vergangene oder gerade geführte Kriege, die Schicksale der Zivilbevölkerung, die Emotionen zwischen Mitleid und Hass, die Motive und Rechtfertigungen sind kaum unterscheidbar. So verweist Andreas Zingerle mit seinen 20 gemalenen Porträts von Journalisten, die dem Krieg zum Opfer gefallen sind, auf die zivilen Opfer des Kriegs und gibt diesen nicht nur einen Namen sondern ein Gesicht. Mit einem in geschichtetem Glas verbautem Gewehr und einem Spazierstock werden bei Paul Feichter Macht und Wehrlosigkeit gegenübergestellt und gleichsam in der Zeit verharrend dargestellt. Geschichte in eine skulpturale Form zu übertragen gelingt der jungen Künstlerin Silvia Hell. Die geografische Veränderung von Italien und Österreich im Zeitraum von 1915 – 2015 wird dreidimensional erfasst und analytisch auf einen Blick für den Betrachtenden lesbar und greifbar gemacht. Seilschaften von Mächtigen und Verkettungen von Ereignissen in der Geschichte zeigt Annemarie Laner durch ein prächtiges Schmuckstück, einem Collier aus Herrscherporträts, Weichenstellern zu Beginn des 1. Weltkrieges und Amuletten. Walter Pancheri rückt mit einem in Holz geschnitzten Brief an den Vater die Kämpfenden an der Front ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Durch Anaglyphenbrillen betrachtet zeigt die Videoarbeit von Leander Schwazer entfremdetes, über 100 Jahre altes Videomaterial. Während das ursprüngliche Material die posttraumatischen Belastungsfolgen, das sogenannte Kriegszittern, zeigt, werden durch das Dreidimensionale die Körpersilhouetten zu tänzelnden Hybriden. Das Ziehen von Grenzen und das Errichten von Mauern sind derzeit in der Auseinandersetzung mit Flüchtlingen aktueller denn je. Stacheldraht, der nicht nur erstmalig vor 100 Jahren eingesetzt wurde sondern heute genauso in heimischen Gärten zum Schutz wie in Kriegsgebieten zur Abwehr dient, wird bei Martina Stuflesser zum Symbol für Abschottung und Ausgrenzung. Den Pulsschlag der alpinen Schauplätze des Ersten Weltkrieges zeigt Letizia Werth in einer Videoarbeit. Die heroisierende Berglandschaft, die Mitte des19. Jahrhunderts vom Tourismus erschlossen wurde gepaart mit den Heldengeschichten der Soldaten veranschaulicht die bewegte Geschichte einer von Kriegsgräuel genauso wie von Idylle gezeichneter Landschaft.

Am 27. Oktober um 19 Uhr wird Mario Horst Lanczik, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und OberstArzt d.R. Sanitätsakademie Deutsche Bundeswehr München in einem Gespräch über seine Erfahrungen mit Kriegsopfern berichten.


Fotos: Jasmine Deporta

 

 



 



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