Maria Walcher "I Pack My Bag"

21. - 22.09.12

Die Künstlerin Maria Walcher aus Brixen packt ihren Koffer und durchquert von 4.8. bis 20.9.2012 auf einem zur Schneiderei ausgebauten Rad Südtirol. Ihr partizipatives Wanderprojekt "I Pack My Bag" ist auf der Suche nach Kleidern mit besonderen Geschichten: Erinnerung, kultureller Austausch und Veränderung prallen auf dieser Plattform aufeinander. Auf unkonventionelle Weise beansprucht Maria Walcher mit ihrer mobilen Schneiderei den öffentlichen Raum und sucht Konfrontation und Zusammenarbeit mit den Menschen, die ihr begegnen. Start ist am 4. August 2012, 18 Uhr, im Rahmen der Ausstellung "DeSein beim Hafner – Design aus den Bergen" in Mals im Vinschgau, Finissage am 20.9.2012 in der Galerie Prisma des Südtiroler Künstlerbundes. Weitere Infos, Tagebuch, Reiseplan und Aktionen auf www.ipackmybag.wordpress.com.

Mit Koffer und Nähmaschine ist Maria Walcher bereits durch Europa gereist, wie Sarajevo, Wien, München, Zürich, Istanbul. In Südtirol ist sie erstmals mit einem zur mobilen Schneiderwerkstatt umfunktionierten Lastenfahrrad unterwegs. Nun möchte sie erkunden, welche Geschichten Kleider in Südtirol erzählen und was aus der Kombination mit denen von anderen Orten entstehen kann. Von 4. August bis 20. September 2012 durchquert die mobile Schneiderei Südtirol und bewegt sich ähnlich der Störhandwerker von Ort zu Ort. Das Projekt wird am 4. August im Rahmen der Ausstellung "DeSein beim Hafner – Design aus den Bergen" in Mals starten, durch den Vinschgau weiter nach Laas und Meran, nach Lana und Bozen, übers Eisacktal nach Brixen fahren und auch im Pustertal in Bruneck, Welsberg, Sand in Taufers und Innichen Halt machen. Bei jeder Station wird eine Aktion mit lokalen Kreativen, stattfinden, die mit Sprache, Schauspiel, Tanz, Musik usw. auf die Kleider und deren Geschichten eingehen. So soll durch das Projekt nicht nur ein Austausch mit den Passanten entstehen, sondern die mobile Schneiderei auch als Treffpunkt und Modul für verschiedene Kunstsparten fungieren und eine Kooperation zwischen den KünstlerInnen fördern. Auf ihrem Blog www.ipackmybag.wordpress.com dokumentiert die Künstlerin in einem Tagebuch ihre Reise und die Aktionen.

Ich packe meinen Koffer und gebe hinein… – Ein altbekanntes Gesellschaftsspiel, bei dem es um Erinnerung und Gedächtnis geht. Maria Walcher packt ihren Koffer und ihre Nähmaschine auf ein Lastenfahrrad und begibt sich auf ein Reiseprojekt. Der Koffer ist jedoch nicht mit ihren eigenen Kleidern gefüllt, sondern mit Kleidern von verschiedenen Menschen. Menschen, denen sie begegnet und Kleider, die eine spezielle Geschichte erzählen. An einem neuen Ort angelangt, baut sie je nach lokaler Begebenheit die Wanderschneiderei im öffentlichen Raum auf Straßen, Plätzen, Gehsteigen oder in Parks auf oder lässt sich in Cafés, Geschäften, Bibliotheken oder Galerien nieder und begibt sich auf die Suche nach weiteren Kleidern mit besonderen Geschichten.

Welche Geschichten erzählen eure Kleider? Ein Kleidungsstück aus dem Koffer wird mit einem neuen kombiniert, zerschnitten und neu geschneidert, sodass die Kleider nicht mehr in ihrer herkömmlichen Art und Weise tragbar sind, sondern aus ihrer Kombination etwas Neues entsteht. Einzelne Hinweise zu ihrer Geschichte sind noch durch Stickereien, Zeichnungen und Texte auf ihnen zu finden und laden den Betrachter ein, nachzudenken, welche Geschichte ihnen innewohnt. Passanten können die Kleider anprobieren, ihre Geschichten erforschen, sich selbst an die Nähmaschine setzen und selbstverständlich auch eigene Kleidungsstücke mit besonderen Geschichten vorbei bringen. Diese kontinuierlich wachsende Wanderkollektion verändert und erweitert sich von Ort zu Ort durch die Einflüsse des Ortes, die beteiligten Personen und die Auseinandersetzung mit vorhandenen Situationen und Thematiken. Die offene Schneiderei ist als partizipativer Ort des Geschehens, der Begegnung und des Austauschs gedacht, die als ortsspezifische Intervention neue Perspektiven eröffnet.

In der künstlerischen Arbeit von Maria Walcher spielt der anthropologische Aspekt eine sehr wichtige Rolle: Sie interessiert sich für Menschen und ihre Geschichten, Lebenssituationen und Weltansichten, und versucht diese aufzugreifen und in einen Dialog mit anderen zu bringen, auf sensible Themen aufmerksam zu machen und den Betrachter zum weiterdenken anzuregen. Dabei spielt die Frage nach dem eigenen Ich, der Beziehung zur Außenwelt und den sich daraus ergebenden Systemen des Zusammenlebens eine wichtige Rolle. Der Rezipient wird auf sehr subtile Art und Weise angesprochen. Manchmal auf dem ersten Blick gar nicht sichtbar, sondern erst bei genauerem Hinschauen und Hinterfragen. Es wird etwas angeboten, das Neugierde erweckt, es jedoch offen lässt darauf einzugehen.

Maria Walcher, geboren 1984, aufgewachsen in Südtirol. 2004–2010 Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstpädagogik. 2007/08 Studienaufenthalt an der Academia de Belas Artes de Lisboa. 2010 Recherche für Diplomarbeit in Kalifornien und New York. Ab Herbst 2012 Bauhaus-Universität Weimar, Public Art and New Artistic Strategies (Prof. Danica Dakic).

 

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