Christian Stecher

LA GUADALUPANA - Annäherung an ein Phänomen

01.11. - 22.11.2008

Dem Phänomen der VIRGEN DE GUADALUPE ist in Mexico City gar nicht auszuweichen. Zu tief ist der Kult in der mexikanischen Gesellschaft verankert. Nicht nur beim katholischen Teil der Bevölkerung ist die Madonna von Guadalupe zur Kultfigur avanciert, so genannte „Guadalupanos“ sind in allen Bevölkerungsschichten zu finden. Sie ist omnipräsent und die Anzahl ihrer Verehrungsstätten unüberschaubar; auf Märkten und Parkplätzen, am Taxistand und mitten auf den belebtesten Straßen. Ihr Bild findet sich millionenfach auf T-Shirts, Telefonkarten und Einkaufstaschen, sie ist nationales Symbol, MATER PATRIAE und schafft gleichzeitig nationale Identität. Das Paradoxe dabei ist, dass die seit dem 19. Jahrhundert in Mexiko geltende gesetzliche Trennung von Staat und Religion keinerlei Einfluss auf diese Massenverehrung zeigt.
Christian Stecher, der sei es in St. Valentin auf der Haide im Vinschgau als auch in Mexiko City lebt, befasst sich in dieser Ausstellung in der Galerie Prisma mit dem Phänomen der kultartigen Verehrung dieser bestimmten Muttergottesfigur. Dabei sind Wunderglaube und Aberglaube, tiefe Religiosität, Laizismus und prä-hispanische Rituale das einzigartige und widersprüchliche Substrat, auf dem der Kult gedeiht und die Vorstellungskraft die Menschen dazu bringt die buntesten Fantasiegebilde zu erzeugen. Solche kleinen Symbole aus Metall, die auf übersinnliche Wiese Heilung und Schutz vor Unheil bieten sollen, sind genauso wie Masken und Statuetten Ausgangsmaterial für die Recherchen und Arbeiten des Künstlers. Der Maler überträgt die gesammelten Impressionen der erfahrenen Riten und Symboliken auf Papier. Die Arbeit wird zur Dokumentation eines Phänomens, das mit Ratio und Vernunft alleine nicht zu begreifen ist. Dabei sind sein bestimmter und unverwechselbarer Pinselstrich, sowie die Dominanz von warmen Farbtönen auch in diesem Werkzyklus charakteristisch für seine Malerei.

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