Verzweigte Verbindungen

Dietmar Brehm, Helga Cmelka, Christian Eder, Silvia Grossmann, Uwe Hauenfels, Ina Loitzl, Claudia Maria Luenig

13.05. - 04.06.2011

Für die Austauschausstellung zwischen dem Künstlerhaus in Wien und dem Südtiroler Künstlerbund, die auf Initiative von Martin Pohl und Uwe Hauenfels zustande kam, sind sieben Positionen aus Österreich zu sehen. Unter dem Titel „Verzweigte Verbindungen“, ein Begriff, der aus der organischen Chemie stammt, hat Uwe Hauenfels Beiträge ausgesucht, die sich mit Fragen wie Schnittpunkten, Vernetzungen, aber auch Endlosschleifen auseinandersetzen. Vom Organischen zum Organon-Modell.
Die gebürtige Schweizerin Silvia Grossmann ist mit einer Rauminstallation vertreten, die ein asiatisches Fenster abbildet. Die Regelmäßigkeit in Holzkonstruktion des Gitters steht mit seiner sich wiederholenden Ornamentik für die ordnende Funktion des Dekors in der Architektur. Die Großform wächst aus der pflanzlichen Struktur. Ganz ohne Ranken kommen dagegen die Malereien von Christian Eder aus. Seine Bilder, die in einer direkten Tradition konkreter Kunst in Österreich stehen, arbeiten mit optischen Effekten. Die Kreuzungen der geometrischen Linien bilden netzähnliche Formationen. Die Farben reduzieren sich vornehmlich auf Blauwerte und metallische Nuancen, wodurch die Strenge der Komposition deutlich zum Tragen kommt.
Der grafische Ansatz, jedoch mit anderen Mitteln, setzt sich in den Siebdrucken und Lithographien von Dietmar Brehm fort. Der Linzer Künstler arbeitet vorwiegend als Avantgarde-Filmer. Die Zeichnung nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. In der Mehrdeutigkeit seiner eindeutig ikonographisch zu lesenden Zeichen liegt die Qualität und auch feine Ironie seines Werks. In einem Cluster aus verschlungenen Elementen kann man – aus einer gewissen Entfernung betrachtet – ebenso einen Totenkopf lesen. Eingeweide und innere Organe findet man aber nicht nur bei ihm, sondern auch bei Ina Loitzl. In roten, plastischen Stoffarbeiten werden Lungenflügel zu sinnlichen Formationen, die in der Umwandlung etwas Spielerisches erhalten, ohne auf eine leicht makabere Note zu verzichten.
Helga Cmelka verwendet den feinen Raster textiler Strukturen, um den Flusslauf des Isonzo auf die Bildoberfläche zu bannen. Während eines Aufenthalts im Friaul entstand die sensible Werkserie in feinen Schattierungen, die sowohl auf die Natur referiert, aber auch die Bewegung per se thematisiert. Zugleich ist der Isonzo mit den verheerenden Schlachten Sinnbild des Konfliktes zwischen Österreich und Italien im Ersten Weltkrieg. Wasserbewohner zeigt Claudia Maria Luenig, die aus Deutschland stammt, in Australien Bildhauerei studiert hat und seit vielen Jahren in Wien lebt. Mit ihren „Medusen“ widmet sich die Künstlerin der Qualle: Den Schirm mit den langen Tentakeln übersetzt Claudia-Maria Luenig über eine umgedrehte Fischerreuse, an die sie ein „Kleid“ aus hybridem Silikon häkelt. Die Reuse ist immer wiederkehrendes Ausgangsmaterial ihrer Arbeiten. Mit seinen aktuellen Ausführungen der Serie „Raumzeichnungen“ greift Uwe Hauenfels die vegetabilen Strukturen von Algen auf, konkret der „Laminaria bongardiana“. Lose Metallgeflechte aus Draht, die sich über Verbindungsflächen verdichten, zeichnen die fließenden Formationen nach. Die Schwere des Materials löst sich in der freien Geste auf.
Die gezeigten Positionen arbeiten mit dem Moment des Durchblicks, der sich aus den Verknüpfungen ergibt. Das Geflecht steht aber auch letztlich für die Idee des Kontaktes zwischen zwei Häusern, die ihren KünstlerInnen neue Netzwerke erschließen.

(Theresia Hauenfels)

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