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IL PUNTO DI VISTA

11.06.-11.06.2026
Alessandra Chemollo
SKB ARTES

Vortrag
Alessandra Chemollo
IL PUNTO DI VISTA

11.6.2026, 18 Uhr

 

Anlässlich des Analogue Photofestival präsentiert der Südtiroler Künstlerbund einen Vortrag von Alessandra Chemollo.

Alessandra Chemollo ist eine italienische Fotografin aus Treviso. Sie ist international für ihre Architekturfotografie sowie für ihre Zusammenarbeit mit bedeutenden Institutionen, Architekt:innen und Verlagen, darunter Electa, bekannt. Ihre Arbeit verbindet theoretische Forschung, Lehrtätigkeit und kuratorische Praxis in zahlreichen Monografien, Ausstellungen und Vorträgen, die der Architektur und ihrer fotografischen Darstellung gewidmet sind.

 

Alessandra Chemollo erzählt über ihre Arbeit:

Fotografie zu machen hat mit unserer Begegnung mit der Welt zu tun. Man könnte sagen, dass sie die Aufzeichnung jenes Bildes ist, das wir in dem Moment zurückgeben, in dem unser Inneres mit dem Äußeren in Beziehung tritt – durch eine Auswahl.

Dieses innere Bild ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es entsteht sowohl durch etwas, das wir bewusst entscheiden und wählen, als auch durch das, was aus der jeweiligen Situation heraus geschieht – oft zufällig, durch etwas, das wir nicht vorhergesehen haben.

Wir sind es gewohnt, auf das Fotografierte zu schauen. Wir durchqueren all die Ebenen, auf denen ein:e Fotograf:in seiner Begegnung mit der Welt eine Form gibt, ohne sie wirklich wahrzunehmen, und richten unseren Blick direkt auf das, was die Fotografie darstellt.

Dabei merken wir oft nicht, dass bereits die Entscheidung für ein bestimmtes Objektiv eine bestimmte Art ist, die Welt zu betrachten: aus welcher Entfernung und von welchem Standpunkt aus, mit welchem Grad an Beteiligung an der Szene und mit welcher Beziehung zwischen den einzelnen Elementen, die sich in unterschiedlicher Entfernung zueinander befinden. Hinzu kommt der Moment, der aus dem Fluss der Zeit herausgelöst wird, oder der Ausschnitt der Sicht, der gewählt wird. Jede Entscheidung, die ein:e Fotograf:in trifft, ist interpretierend.

Meine Arbeit besteht darin, an der Interpretation einer Interpretation zu arbeiten. Ich habe nie gedacht, dass es einschränkend sei, Raum zu fotografieren – einen Raum, der von jemand anderem entworfen wurde. Denn ich habe nie gedacht, dass meine Arbeit darin besteht, einen Raum einfach in einen Bildausschnitt zu pressen. Ich war immer der Ansicht, dass es dabei um etwas Komplexeres geht, das auf der Ebene der Sprache formuliert werden muss: darum, eine Welt von Bezügen, die dem fotografischen Vokabular eigen sind, mit der Fähigkeit zu verbinden, zu verstehen, was Architektur durch Raum darzustellen versucht.

Dabei ist mir bewusst, dass das, was ich tue – und damit auch das physische Objekt der Fotografie, das ich hervorbringe – zugleich ein Zeugnis und eine Aufzeichnung von etwas ist, das „objektiv“ geschieht. Gleichzeitig entsteht es aber immer durch die Wahl eines Standpunkts. Ich habe immer gedacht, dass es wichtig ist, diesen Standpunkt offenzulegen, damit meine Subjektivität klar erkennbar wird.

Manchmal wird dieser Standpunkt durch das Projekt vorgegeben – dann kann ich nicht sagen, dass ich ihn selbst wähle. In anderen Fällen aber wähle ich ihn bewusst: indem ich verweile, denn das Geheimnis liegt im Verweilen. Und auch, indem ich mir etwas vorstelle. Für manche Fotografien musste ich mir zum Beispiel vorstellen, was ich sehen würde. Oder ich musste im Voraus entscheiden, eine Architektur in dem Moment zu fotografieren, in dem sie benutzt wird; mitten unter Menschen zu arbeiten; den Raum dem Vorstellungsbild des Architekten zu entziehen und ihn in die Welt zu bringen.

Was meine Fotografien festhalten, ist immer der Treffpunkt zwischen etwas, das ich auf der Ebene des Bildausschnitts gedacht habe, und dem, was im Moment der Aufnahme geschieht.

John Berger spricht beim Erzählen vom Hervortreten eines Unsagbaren. Er sagt, dass es darum geht, die passendste Form zu finden, um das auszudrücken, was man intuitiv erfasst hat – etwas, das mit der Eigenständigkeit einer Melodie oder eines Farbmusters existiert. Das Thema dieser Erzählung ist die Genauigkeit der Wiedergabe.

 

Der Vortrag findet auf Italienisch statt.

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